Illustriertes Lernmaterial zur Führung von Interviews, von Ulrike Werner.
Beim Radio-Interview kommt es darauf an, die von dir ausgewählte Person dazu anzuregen, dass sie interessant antwortet. Dazu gehört, dass du dir von vorneherein klarmachst, dass ein öffentliches Radiointerview sich grundsätzlich von einem Recherchegespräch oder einem Privatgespräch unterscheidet. Ein Radiointerview ist immer für Dritte, nämlich die unsichtbaren Hörer, gemacht.

Damit das Interview gelingt, ist das Wichtigste, das Interviewthema im Kopf zu haben und während des Interviews sehr gut zuzuhören. Dann kannst du entscheiden, ob eine Frage ausreichend beantwortet ist oder ob Nachfragen nötig sind.
Eine gute Vorbereitung gibt dir Sicherheit, so dass du dich während des Interviews ganz auf Deinen Interviewgast einlassen kannst.
Folgende Überlegungen zur Interview-Vorbereitung und zum Interview selbst sollen Dir helfen, ein gutes Interview zu führen!
Wenn du ein Thema aussuchst, brauchst du meistens noch genauere Informationen. Das Sammeln von Informationen durch Gespräche, durch Bücher, Zeitungen, im Internet oder in Archiven nennt man „Recherche“. Am schnellsten und besten helfen dir Leute weiter, die sich gut mit dem Thema auskennen. Die können dir oft auch einen Interviewgast empfehlen.

Bei der Recherche kannst du dir folgende Fragen stellen:
Diskutiere mit anderen! Bei kontroversen Sachverhalten ist es hilfreich, sich mit Argumenten der „Gegenseite“ vertraut zu machen. Gibt es weitere Informationsquellen, die Du nutzen kannst?

Mit der Wahl der Person legst du die Perspektive auf das Thema fest. Kriterien: Wer wird von anderen Medien eingeladen? Sollten bei dir Leute zu Wort kommen, die sonst nicht oft befragt werden?
Welchen Aspekt des Themas oder welche Seite einer Kontroverse möchtest du hervorheben? Möchtest du Überblickswissen vermitteln oder persönliche Erfahrung? Achtung: Bei Behörden/Institutionen ist oft intern geregelt, dass nur bestimmte Personen Auskunft geben >> Pressestelle
Wenn Du ein Interview machen willst, weil Du eine interessante Person kennst: denk daran, dass du trotzdem ein Thema brauchst! Zu welchem Thema kann die Person besonders interessant erzählen? Und warum willst du das Thema veröffentlichen?
Das Hauptziel während der Kontaktaufnahme ist, den ausgewählten Interviewgast für das geplante Interview zu gewinnen.
Gleichzeitig vergewisserst du dich, ob dein Thema wirklich zu dem ausgewählten Gast passt. Wenn dein Gast jedoch anfängt, ausführlich zu erzählen, sage ihm höflich, dass du das später im Interview fragen möchtest! Gib deine Fragen auf keinen Fall jetzt schon bekannt, denn dann fehlt deinem Interview später die Lebendigkeit.

Ausserdem sind folgende Fakten wichtig:
Nimm für dich eine erste Einschätzung des Gegenübers vor: Ist sie/er gesprächig, scheu, medienerfahren, ausweichend, eitel,...? Worüber spricht sie /er gerne?
Diese Beobachtungen helfen dir, später im Interview die passenden Fragen stellen zu können.
Der letzte Schritt bei der Vorbereitung ist das Schreiben eines Frage-zettels. Das hilft dir, deine Gedanken zu ordnen.
Während des Interviews dient der Fragezettel als Stichwortgeber, falls du nervös wirst. Mehr nicht! Er ist kein Plan, den du unbedingt einhalten musst!

Spiel die Interviewsituation durch – im Kopf oder mit einer Kollegin! Trau Dich, kritische Fragestellungen zu entwickeln – da hilft die höfliche Formulierung!
Die richtige Bedienung von Aufnahmegerät und Mikrophon sollte Dir vertraut und selbstverständlich sein. Vor jedem Interview gehört zur Technik-Routine:

Die optimale Aussteuerung liegt zwischen –3 und 0 Dezibel, gehe auf keinen Fall über Null! Zu leise aufgenommene Aufnahmen klingen später verrauscht, wenn man sie in die richtige Laustärke hochpegelt. Zu laut aufgenommene Aufnahmen klingen verzerrt und sind deshalb unbrauchbar. Wenn du das Interview mit dem Reportagegerät aufnimmst: starte die Aufnahme ruhig schon während des „Warmredens“ . So ist das Aussteuern am einfachsten.
Das Wichtigste ist nun, sich von allen Vorbereitungen frei zu machen und sich, mi t de m Interviewthema im Kopf, ganz auf den Interviewgast einzulassen.

Höre gut zu und gehe auf das Gesagte ein. Klebe nicht an deinem vorbereiteten Frageplan.
Frage nach, wenn du etwas nicht verstehst oder wenn dein Gast eine Frage nicht beantwortet (gerade bei Presse-Erfahrenen, z.B. P olitikern, kann Konfrontieren wichtig sein). Scheue dich nicht, eine Frage zu stellen, deren Antwort du schon kennst: du fragst ja für die Hörer und willst vielleicht, dass der Gast in eigenen Worten etwas erklärt.
Überlege dir, wie du das Interview aufzeichnen möchtest. Soll es „live“ im Radiostudio stattfinden? Die Vorteile dabei sind: Ein Live-Interview macht e ine Sendung sehr lebendig und du sparst Zeit. Oder möchtest du das Interview aufzeichnen und vor der Ausstrahlung sogar bearbeiten?
Die Vorteile dabei sind: Einem medienscheuen Interviewgast kann es Sicherheit geben, dass man später Versprecher wegschneiden kann. Fragen und Antworten, die nicht zum Thema gehören, können weggekürzt werden. Allerdings setzt eine Bearbeitung voraus, daß du die dazu nötige Technik beherrschst. Auf jeden Fall hilft es dir, auch ein vorproduziertes Interview so zu planen wie ein Live – Interview. Sonst kostet die anschließende Bearbeitung sehr viel Zeit.
ENGLISCH 112: INTERVIEW CHECKLIST
FRANZÖISCH 132: CHECKLISTE POUR UNE INTERVIEW
Büro, Rechercheraum
Computer, Internetzugang
Notizblock, Stifte