„New's is, what's different“ – so lautet die Definition der Nachricht in den USA. Was sind die Besonderheiten eines "news items" gegenüber einem anderen Beitrag und was gilt es beim Produzieren einer Nachricht zu beachten? Diese und andere Fragen werden hier beantwortet...
„New's is, what's different“ – Berichtenswert ist das, was sich vom Alltäglichen unterscheidet, was besonders ist.
Die in Journalistenschulen gelehrte Regel lautet: „Nur eine Meldung, die auf allgemeines Interesse stößt, hat Nachrichtenwert.“ (La Roche, 1999) In der Realität jedoch spielt die Zielgruppe (der Sendung, der Nachricht, des Senders...) eine erhebliche Rolle, denn dann lautet die Frage:
Im Gegensatz zu öffentlich-rechtlichen und privatkommerziellen Sendern sind Community Radios nicht verpflichtet, die „journalistische Grundversorgung“ der HörerInnen zu gewährleisten. Sie haben die große Chance und Freiheit, sich auf die „publizistische Ergänzung“ konzentrieren zu können. Das heißt, es besteht keine Verpflichtung, die Nachrichten zu bringen, die überall laufen, sondern man kann über all die anderen spannenden Themen dieser Welt berichten, die nicht auf „allgemeines Interesse“ stoßen, sondern die für die Zielgruppe der Sendung interessant sind – selbst wenn diese relativ klein ist.
Für RadiomacherInnen in Community Radios gilt: „Eine Meldung, die auf das Interesse der angesprochenen Hörer_innen stößt, ist berichtenswert.“
Öffentlich-rechtliche und privat-kommerzielle Sender arbeiten mit Nachrichtenagenturen wie der Deutschen Presse Agentur (DPA) oder Associated Press (AP). Diese verfügen über ein Netz von KorrespondentInnen in der ganzen Welt, die sekündlich neue Meldungen schicken. Große Sender beschäftigen einen ganzen Stab von NachrichtenredakteurInnen, die diese Agenturmeldungen auswerten.
Community Radios verfügen in der Regel nicht über Agentur-Meldungen, vor allem deshalb nicht, weil die Dienste viel Geld kosten, aber auch, weil es keine bezahlten NachrichtenredakteurInnen gibt, die sie auswerten würden. Derzeit ist das Internet das schnellste Medium und Nachrichtendienste im Internet können ihre Seiten in sekundenschnelle aktualisieren. SendungsmacherInnen in Community Radios können damit nicht konkurrieren – müssen sie auch gar nicht, denn: aktuell ist eine Nachricht dann, wenn sie ihr Zielpublikum erreicht und interessiert.
Ob etwas aktuell ist, hängt davon ab, wie oft man die Frage „Was gibt´s Neues?“ stellen kann. Bei einer wöchentlichen Magazinsendung ist das alle sieben Tage. Du kannst dementsprechend Nachrichten zu deinem speziellen Themenbereich aus der letzten Woche recherchieren – oft gibt es Meldungen, die es nicht zur „Top-Meldung“ geschafft haben, und die deshalb von vielen HörerInnen gar nicht wahrgenommen wurden.
Du kannst diese recherchierten Meldungen aktualisieren, indem du sie zum Anlass für eine eigene Recherche nimmst: Wie wirkt sich die Gesetzesänderung vor Ort aus? Was sagen die Betroffenen dazu? Der Blickwinkel, der die HörerInnen der eigenen Radiosendung am meisten interessiert, kommt oft in den anderen Medien nicht vor.
Das Wichtigste zuerst
Der erste Satz entscheidet darüber, ob die HörerInnen weiter zuhören. Deshalb steht die wichtigste Information bereits im ersten Satz. Dieser sogenannte Lead-Stil stellt immer das Besondere an den Anfang – Nachrichten sind also nie chronologische aufgebaut, beginnen nicht mit dem Allgemeinen und die Vorgeschichte steht oft erst am Ende oder entfällt ganz.
Alle Informationen, die nun folgen, sind Ergänzungen, denn das Wichtigste ist am Anfang bereits gesagt worden. Selbst wenn nur der erste Satz gesendet würde, wäre er schon eine eigene Kurz-Nachricht. Da der Lead gut sprechbar und verständlich sein muss, kann er auch aus zwei Sätzen bestehen. Die Anzahl der Sätze ist nicht das Kriterium für den Lead, sondern, dass die Kernaussage damit ausgedrückt wird.
Die sieben W-Fragen
Was aber ist die Kernaussage einer Nachricht? Und welches sind die weniger bedeutenden Einzelheiten? Um diese Frage beantworten zu können, helfen die sieben W-Fragen:
Wer? Wann? Was? Wo? Wie? Warum? Woher?
U.a. welche Quelle? Wieviele? Die W-Fragen können also eine gute Hilfe sein – sie sind allerdings kein feststehendes Regelwerk für das Gelingen einer Nachricht.
Die Länge der Nachricht
Ganz einfach: Nicht länger als 1 Minute, etwa 800 Zeichen.
Hard News / Soft News
Hard News folgen einem zielgruppenspezifischen Interesse. Soft News folgen dagegen einem „menschlichen Interesse“ (human interest). Sie werden im Hörfunk auch als „bunte Meldung“ bezeichnet.
01 Sprich nur über das, was du selbst verstanden hast
02 Schreib anschaulich und genau
03 Nenne Namen: Namen geben Identität, können die Quelle einer Information bezeichnen. Bereits bei der Recherche solltest du dich nicht davor scheuen, Namen, Titel, Berufsbezeichnungen und alles, was sonst noch relevant sein könnte genau nachzufragen.
04 Erkläre Begriffe und Abkürzungen
Es gibt einige Abkürzungen, die so eingebürgert sind, dass man sie nicht erklären muss: ARD, ZDF, VW, EU, NATO... Alle anderen Abkürzungen sollte man nicht verwenden, ohne sie vorher eingeführt zu haben.
BEISPIEL „Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt gab bekannt….“ Bei der nächsten Nennung kann man die Abkürzung „IHK“ verwenden.
05 Erzähl die Vorgeschichte und den Hintergrund – kurz!
06 Nachrichten müssen sprechbar sein: Vor der Sendung solltest du deine Nachrichten unbedingt laut lesen. Wo es „holpert“, kannst du noch umschreiben.
07 Kürzen: Streiche überflüssige Detailinformationen, schmückende Adjektive und Füllwörter
Von journalistischen Informationen erwarten die HörerInnen, dass es sich um „wahrheitsgemäße Berichterstattung“ handelt. Das heißt: Die Fakten müssen stimmen! Namen müssen richtig wiedergegeben werden, Zitate dürfen nicht verfälscht werden und Informationen müssen überprüft werden.
Das heißt auch, dass du für alle Informationen einen Beleg haben, die Quelle als zuverlässig kennen oder selbst Augenzeuge sein musst. Wenn man keine 100 prozentige Gewissheit über etwas erlangen kann, muss man seine HörerInnen darauf hinweisen!
Wie wir bereits wissen, hat jedes Problem mindestens zwei Seiten. Es gehört zur journalistischen Sorgfaltspflicht, alle Seiten zu recherchieren und entsprechend vollständig abzubilden.
Auch wenn die Fakten geprüft sind und Namen und Zitate richtig wiedergegeben sind, sind Nachrichten nicht ‚objektiv’: Sie bilden Deine Kriterien der Auswahl und Wertung ab, ohne aber zu verfälschen oder Information und Meinung zu vermischen. Subjektivität ist ein wesentliches Moment für Community Radios, sie sollte nur für Hörende kenntlich und nachvollziehbar sein.
HörerInnen sollten erkennen können,
Das heißt auch: Kein Kommentar!
Kommentare und persönliche Wertungen sollten nicht mit der Übermittlung von Informationen vermischt werden.
evtl. Abspielgeräte für Beispiele (Audio, Video)
Stifte, Papier für Notizen
evtl. Beispiele (Print, Audio, Video)